Buddhas Weg

Das erste Mal wirklich in Verbindung getreten mit der buddhistischen Lehre bin ich 2016 auf Bali. Klar, durchs Yoga hatte ich schon ein paar Eindrücke gewonnen und Buddha kennt man ja auch irgendwie, aber wirklich Ahnung davon hatte ich noch nicht. Was ich aber wusste war, dass die „strengen Buddhisten" a) Vegetarier, ja eigentlich Veganer sind und das macht sie ultra sympathisch und b) ich diese Welt und deren Ansichten unglaublich spannend fand. Irgendwie harmonischer, verbundener, gütiger und ein bisschen weniger: „Also wenn Gott das sieht kleines Mädchen - direkt ins Fegefeuer."
Ja ich bin römisch-katholisch erzogen worden, bin getauft, kommuniert und gefirmt. Das eine hat mit dem anderen meiner Meinung nach aber nichts zu tun. Du kannst glauben an wen oder was du willst und trotzdem entscheiden welche Dinge sich FÜR DICH richtig anfühlen, was mit dir räsoniert, ohne, dass du dich für eine Seite entscheiden oder irgendwo aus- oder eintreten musst. Meiner Meinung nach reden sowieso alle Religionen von der gleichen Sache, der selben größeren Energie, die alles zusammen hält, die Völker und Stämme auf der ganzen Welt über Jahrtausende egal wo immer gespürt, aber einfach anders benannt haben: egal ob Gott, Allah, Buddha, Krishna, Universum, oder, oder. Aber das ist mal eine andere, eigene Geschichte. (Und mich hat gerade noch kein Blitz getroffen, obwohl ich das geschrieben habe.)
 
Als ich auf Bali war lebte ich damals bei Ketut in einem kleinen Zimmer direkt am Fluss. (Wer jetzt schon mal in Bali weiß, dass jeder dritte Ketut hat heißt, man wie Frau. Wird also schwierig meinen Ketut zu finden). Ketut hat mich ab und zu hinten auf seinen Roller geschmissen und mir die Orte gezeigt zu denen nicht alle Touristen gehen. Wie z.B. den versteckten Wasserfall zu dem er als Kind immer gegangen ist und wo keine der ganzen wilden Touristen die Aura des Wassers verschmutzt haben. Jap. Rauchende, trinkende Männer Mitte 40 reden nämlich dort ganz normal über die Aura und das Wesen in allen Dingen, der energetischen Verbindung zwischen allen Lebewesen und der Natur wie Onkel Heinz über die Fußball Ergebnisse und dass es schon wieder regnet. Für sie ist es ganz normal jeden Tag in den Tempel zu gehen und Dankbarkeitsgaben an das Leben zu übergeben, aus vollem Herzen, aber nicht aus Angst sonst bestraft zu werden. Sie kennen die metaphysische Welt so gut wie die physische, sichtbare, greifbare Welt. Wissen von Seelen, von deren Wiederkehr und von Karma. 
Ich war damals so fasziniert von seinen Worten, dass ich sofort mehr darüber lesen und erfahren wollte und bat ihm mir ein Buch darüber zu empfehlen. Was dann geschah ist einer der magischsten Momente in meinem bisherigen Leben, zu dem ich heute noch in halben Unglauben und mit Tränen in den Augen zurück schaue. Diese Geschichte schweift noch etwas zu sehr aus, kannst du aber, wenn du super neugierig bist hier nachlesen. 
 
Da war ich also nun, fasziniert von dieser magischen Insel, ihren Leuten, ihrer Kultur, ihrem Glauben und bald darauf wieder zurück im nörgeligen Deutschland wo du schon am Gepäckband vor lauter Nächstenliebe mindestens drei Ellbogen zu spüren bekommst. Puh, wie also diese Welt in die ich mit den Zehenspitzen eingetaucht bin, in mein jetziges Leben integrieren und noch tiefer einsteigen, weil diese Stimme in mir drinnen nicht locker lässt und irgendwie zu wissen scheint, dass ich da lang gehen muss?
 
Vor meiner Reise hatte ich eine emotional harte Zeit hinter mir und bin ziemlich krank geworden. Viele Zipperlein, nichts lebensbedrohlich, aber immerhin ein Ticket auf der Millenium-Autoimmun-Train. Keiner kann dir helfen, nichts ist zu finden, aber gesund bist du auch nicht. Ganz und gar nicht. Vielleicht warst du auch schon beim Heilpraktiker, weil Tante Erna das mal gemacht hat, aber ganz bestimmt schon bei zwei Spezialisten. 
So oder so ähnlich war das auch in meinem Fall. Nur habe ich auch noch eine Patentante, die durch schlimme Krankheit vor vielen Jahren an einen TCM Arzt in Frankfurt geraten ist, der ihr buchstäblich das Leben gerettet hat. Thay, ihr Arzt, ist mit schon 8 Jahren buddhistischer Mönch geworden und hat die Ausbildung zum Zen Meister bestritten, bis er aus Vietnam mit seiner Familie fliehen musste. Sie sind in Deutschland gelandet, wo er in Frankfurt eine Pagode gegründet hat. Ein vietnamesisch buddhistisches Heilungszentrum sozusagen. Hier behandelt er Patienten vor allem mit Akupunktur Next-level (nicht 5, sondern mal eher so 120 Nadeln - binnen 2 Minuten gesetzt. [Beim ersten Mal dachte ich eine lautlose Maschine fährt über mich drüber.]) und vorzugsweise ekligen Kräutermischungen. 
Ich hatte von meiner Tante schon einige Geschichten über ihn, seine Art und seine Behandlungen gehört, doch letztendlich vor ihm zu sitzen war schon eine etwas andere Begegnung. Er ist sehr ruhig, sagt nicht viel, sieht aber auf einen Blick mehr als du dir jemals vorstellen könntest. Wirklich - ich habe schon die gruseligsten Dinge gehört und auch vor allem miterlebt, das geht wirklich unter die Haut, genau wie sein Blick. Dabei sieht er übrigens aus wie 25, faltenlos und schelmhaft, wobei er Mitte 50 ist und wie ich heute weiß kaum schläft. 
 
Nach einiger Zeit in seiner Behandlung, für die ich mindestens einmal im Monat nach Frankfurt gedüst bin, habe ich ihn dann gefragt, ob er meint, dass die Zen-Seminare mir auch gut tun oder helfen würden. (Ich hatte davon schon von meiner Tante gehört, die diesen Weg auch beschritten hat und mich mit ihren Geschichten immer wieder fasziniert hat). Naja, was habe ich erwartet? Ein kurzes „Ja, sehr gut. Du bist nicht krank wegen Essen oder Körper. Du bist krank wegen Seele, Gedanken.“ Und schon war er 5 Sekunden später wieder hinter dem Behandlungsvorhang verschwunden, meine 2 Minuten Nadeln setzen waren vorbei. Die Kräuter hat er direkt zusammen gemischt, er wusste auf einen Blick genau wo mir was fehlt.
Also war es entschieden, auch wenn ich das eigentlich schon vorher entschieden hatte. Ich habe mich 2017 zu meinem ersten Zen Seminar angemeldet.  
 
Neben der Pagode in Frankfurt hat Thay nämlich noch ein buddhistisches Kloster im Odenwald in Wald-Michelbach gegründet - übrigens in einer ehemaligen Psychiatrie, mitten im Wald. Für die Reinigung von allen früheren Energien wurden übrigens die krassesten Mönche aus aller Welt (aber nein, nicht der Dalai Lama) eingeflogen und haben den Ort wieder klar Schiff gemacht - fun side fact dachte ich. Dort im Kloster gibt es regelmäßig alle möglichen Seminare, insbesondere über Meditation, der inneren Kind Heilung und eben dem Zen-Weg. Auch Vorträge von reisenden Mönchen werden ab und zu gehalten, sowie auch Behandlungen gegeben. Geschlafen wird in der Zeit direkt dort, gegessen wird auch nur vegan /vegetarisch. 
 
So, jetzt aber mal wirklich zum Thema: Die Seminarereihe "Zen Weg - der Weg zu sich“ ist in 13 Module aufgteilt, die harmlos anfangen und immer weiter nach Innen gehen. Im Endeffekt ist das aufgebaut wie eine Zwiebel. Du fängst an dir anzugucken was außen da ist, nimmst vielleicht schon mal vorsichtig die braune Schale ab und gehst dann Schicht für Schicht, Seminar für Seminar weiter nach innen bis zu zum Kern gelangt bist. Und dann idealer Weise erleuchtet. ( :D immer wieder gut.) 
Jedes der 13 Seminare findet an einem Wochenende statt, 3 Tage, Freitag - Sonntag. Außer Seminar 1+2, die sind jeweils nur einen Tag lang und können am selben Wochenende absolviert werden (Sa + So), müssen sie aber nicht. Seminar 1+2 ist das Einsteiger-Drogen Seminar, dass so spannend ist, dass meine Kinnlade nur selten wieder zugeschnappt ist und man die erste Ahnung davon erhält was auf einen zukommen wird. Thay erzählt hier viel über den menschlichen Körper, seine Art der Diagnose, teilt Anzeichen und Symptome, Krankheit als Signale des Körpers mit uns zu kommunizieren und schult unsere eigenen Fähigkeiten das zu erkennen, an uns selbst wie auch an anderen. Er erzählt einiges aus der buddhistischen Lehre und spricht dabei von Dingen wie Wiedergeburt erneut als ob in Frankfurt ein Fahrrad umgefallen wäre. Ganz normal. (Ich weiß wie viele denken, dass das alles Hokuspokus und Humbug ist - und das darfst du auch. Das hab ich selbst viele viele viiiiiele Jahre meines Lebens, hab die größten Witze gerissen und meine Mama sehr, sehr doll ausgelacht, als sie nicht wollte, dass ich mir ein Bauchnabelpiercing stechen lassen, weil sonst der Energiefluss in meinem Bauchchakra kaputt geht. [Danke Mama, dass ich jetzt kein Bauchnabelpiercing habe, very much appreciated :D]) Das Ding ist nur, wenn Thay über diese Dinge spricht, dann kannst du gar nicht anders als Wahrheit in ihnen zu erkennen oder zumindest dein Weltbild etwas anzuzweifeln oder gar zu erweitern. 
Wir haben unter anderem die Art und Weise zu gehen bei jedem von uns kurz analysiert und was es uns für Auskünfte über den Menschen gibt, Fingernägel, Zunge, Augen, … studiert (klare Regeln, die direkt anzeigen was einem fehlt), die Landkarte des Rückens kennengelernt, bei der jeder Schmerzpunkt emotionale Auskunft über Geschehnisse in deinem Leben gibt und auch mit Glaubenssätzen verbunden sind. Linke und rechte Seite sind beispielsweise auch dem femininen / männlichen zugeordnet bzw. Der Mutter und dem Vater, was sich dann in der Körpermitte wieder kreuzt und wechselt. Wir Teilnehmer haben dabei immer ganz stümperhaft versucht das zu analysieren, aber dann kommt Thay um die Ecke und erklärt in der Gruppe was bei dir wirklich los ist. Er fängt immer etwas gröber an und sagt dann „darf ich alles sagen?“. Wenn die Antwort ja ist - und das ist sie eigentlich immer, weil jeder darauf brennt zu erfahren, was man hat, was man nicht sieht oder was er drauf hat. Tja und dann kommt sowas wie „als dein Freund letztes Jahr gestorben ist und die Cousine deines Schwagers ihr Kind verloren hast, da hast du dich komplett im Job vergraben und seitdem kannst du nachts nicht mehr schlafen, weil du solche Schmerzen in der linken Schulter hast.“ Und alle verfallen in ungläubige Schockstarre, während die Person meist anfängt aufzumachen, Tränen fließen lässt und endlich erkennt was eigentlich abgeht. Gefühlt geht das die ganze Zeit so. Immer wieder passieren Dinge, die nicht greifbar sind, die man nicht mit seinem normalen Wissen und Verstand verstehen kann. Selbst die Dinge die man selbst spürt und ausspricht und denkt „Schwachsinn, woher soll ich das denn wissen? Keine Ahnung, ich rate mal“ und man dann voll ins Schwarze bei deinem Gegenüber trifft. Wir alle haben so viele Fähigkeiten von denen wir KEINE AHNUNG haben. Die wir nicht nutzen, von denen wir nichts wissen und demnach natürlich auch nie geschult, trainiert haben. Wir „glauben nicht“ an eine Welt, die wir nicht sehen können, weil unser Verstand so rationalisiert wurde, so auf neue Wissenschaften gepolt ist, wobei doch richtig große Wissenschaftler, wie Albert Einstein schon immer über Metaphysik gesprochen haben. 
Wir haben außerdem ein wenig über Meditation gelernt, auch über die Chakrenlehre - die 7 Energiezentren, die unser Körper durchläuft und die sich gerne mal blockieren, aber uns vor allem auf unsere intrinsischen Wesenszüge fokussiert. Über innere Schattenkinder gesprochen, die uns erklären warum wir handeln wie wir handeln (ähnlich dem inneren Kind) und die ersten 7 Lebensjahre und wie prägend, wichtig und essenziell für unser späteres Leben sind, was wir dort für uns begreifen und für uns annehmen. Genauer gesagt der 7 Jahres Zyklus, denn immer weiter durchlaufen wir diese 7 Jahre, in denen jedes Jahr für ein eigenes Kapitel steht. Eigentlich geht es schon im Embryo Stadion los, quasi von Monat 0 der Entstehung in 7 Schritten bis zum 12ten Monat des ersten Jahres, aber das ist jetzt etwas detailliert. 
 
7 Lebensjahre Zyklus:
  1. Los geht es also mit dem ersten Lebensjahr, in dem das Urvertrauen gelegt wird. 
  2. Im zweiten Lebensjahr lernt man seine eigenen Bedürfnisse zum Ausdruck zu bringen: die Identität, wer bin ich? 
  3. Jahr drei steht für die Sicherheit - wird mir Raum gegebenen, wo sind meine Grenzen?
  1. Im vierten Jahr geht es um Verbindung und Beziehung; andere Menschen außerhalb der Eltern, wie geht man mit anderen um, …
  2. Jahr fünf ist der eigene Ausdruck. Man lernt die eigene Meinung kennen, fragt anderen Löcher in den Bauch, geht nach außen, zeigt sich
  3. Das Jahr der Intuition, in dem die geistigen Fähigkeiten am höchsten entwickelt sind. Das Denken verstopft hier gern die Intuition
  4. Offenheit, Einheit, entdeckt die Welt 
 
Im gleichen Atemzug können die negativen Erlebnisse in diesen Jahren, wenn also etwas „schief geht“, auch wie folgt aussehen:
  1. Ängste
  2. Scham, Schuld
  3. Verlust, Abhängigkeit 
  4. Sturheit, Ego
  5. Rückzug
  6. Zweifel
  7. Trennung 
 
Dieser Zyklus wird wie gesagt alle 7 Jahre wieder durchlaufen. 
Es gibt dabei den großen und den kleinen Zyklus. Der kleine Zyklus geht alle 7 Stufen in 7 Jahren durch. Der große Zyklus hat ein Thema für 7 Jahre lang.
Bedeutet: Von 1-7 ist der große Zyklus Urvertrauen.
Ich befinde mich mit 28 gerade im letzten Jahr des 4ten Zyklus: Verbindung 
Und jeder dieser großen Zyklen macht eben 7 verschiedene Stufen durch.Es ist ein ewiger Rhythmus. 
Es kann jedoch auch sein, dass man in einem Thema stecken / gefangen bleibt, weil man dort beispielsweise ein Trauma erlebt hat. Hat man also zum Beispiel im 5ten Jahr (Ausdruck) ein starkes Trauma erlitten, so ist man im nächsten Jahr (6) voller Zweifel. 
Auch die Zen-Kurse gehen diese Stufen durch. Erst geht es um die innere Reise - die ersten Jahre und später dann die obere, die spirituelle Hälfte.
 
Puh, ganz schön viel erstmal, ich weiß. Aber so, so faszinierend, oder nicht? Naja, wenn du wirklich bis hierhin gelesen hast, dann findest du das wohl auch 😄 
 
Außerdem, noch so ein spannendes Thema (!), haben wir noch ziemlich intensiv über die Lehre der 5 Elemente - Wasser, Feuer, Holz, Metall, Erde gesprochen. Jeder vereint in sich 3 dieser Elemente, ein Hauptelement, das heißt das angeborene Wesen, dann der Kopf = die Art zu denken und dann das Herz = die Art zu fühlen. Ein Element fehlt einem meist ganz und das letzte hilft dieses zu bekommen / zu integrieren. Auch hier gab es wieder die „Darf ich alles sagen - Scharade“, wo einem einfach auf den Kopf Sachen zugesagt wurden, die man unmöglich einfach wissen oder wie beim daily Horoskope willkürlich passend auslegen kann. Meine Konstellation ist übrigens Feuer als Wesen (surprise!), Wasser im Herzen und Holz im Kopf (ja - haha, i know :D). 
Kleiner Exkurs, um mal an meinem Beispiel zu verstehen, wie Thay dann redet (und weil ich es krass interessant fand): Mein kleiner Holzkopf liebt die Freiheit, strebt nach Wachstum, nach oben, nach Entfaltung wie ein Baum. Mein Herz ist weich und voller Mitgefühl und Empathie, ich kann mich verdammt gut in Menschen und Situationen einfühlen, fühle mich schnell emotional verantwortlich und „wässere“ mit meinem Herzen meinen kleinen Wachstumsbaum, das Feuer als Energiespender treibt es voran. Allerdings fehlt mir das Element Metall, sowie die Erde. Die Erdung, die Wurzeln, die Ruhe, aber um das zu bekommen bräuchte ich das Metall. Fehlende Elemente kann man immer kultivieren, aber je früher man das tut, desto einfacher hat man es später im Leben. Metall ist übrigens die künstlerische Kraft von der ich Stein und Bein ausgegangen bin, natürlich Metall zu haben, weil hallooo-hooo ich bin ja schließlich Designerin und war schon immer die Kunstnudel. Thays Erklärung war aber, dass ich mir genau diesen Beruf bewusst ausgesucht habe, um daran zu arbeiten und mir in mein Leben zu holen was mir fehlt. Damit mache ich es mir aber nicht unbedingt leichter, wie wenn ich z.B. Entertainer auf der Bühne geworden wäre, sondern kämpfe, tu mir schwer, kreiere den struggle und brauche immer wieder viel mehr Energie als notwendig, weil ich in die falsche Richtung laufe. Energie falsch directed. (Super, das wollte ich hören!) Ich würde mir das Leben schwer machen und solle mir immer wieder bewusst machen, dass ich selbst wähle. Ich verpulvere meine Energie, verbrenne meine Stärke, meinen Wald, dessen Bäume ich liebevoll gewässert habe. Feuer ist sehr viel Energie und ich habe mehr als nur für mich selbst, aber fahre sie noch gegen die Wand, verbrenne innerlich, erzeuge Hitze, lasse Entzündungen entstehen, Stress und Krankheit. Feuer muss aber nicht so zerstörerisch sein, sondern kann auch gut tun, wenn es glüht, nützlich wie ein Grill 😄 Energie und ganz viel Antriebskraft spenden, Wärme & Licht spenden. Auch hat er gesagt, dass Feuerelemente ihren Körper nicht so gut spüren und deswegen immer wieder über ihre Grenzen hinaus gehen, damit sie ihre Körper wieder wahrnehmen. (Und davon kann ich wirklich ein Lied singen!) Und wenn man ständig über seine Grenzen hinaus geht, bis es nicht mehr geht, dann kommt Krankheit. Das Geheimnis ist mit dem Zyklus zu arbeiten, anstatt immer dagegen.
 
Im ganzen Raum waren übrigens nur 2 Feuer-Wesen, bei 27 Teilnehmern. Alle Interpretationen haben krass auf jeden einzelnen gepasst und waren so SO unterschiedlich. Es war einfach flashy und hört sich gerade vielleicht vollkommen verrückt an, wenn man nicht dabei war - oder mich nicht so gut kennt. (Hallooo Freak-Stempel :D) Aber man hat auch schnell verstanden was die Konstellation des Liebsten oder der Eltern sind oder oder… irgendwann war es relativ leicht alles zuzuordnen, selbst bei den Menschen, die man erst einen Tag kannte, manchmal allein durchs ansehen.
Im Endeffekt denkt man also irgendwann einfach Thay ist ein Magier und ist einfach nur MIND-BLOWN, aber er betont immer wieder, dass all das was er kann jeder erlernen kann, so wie er es in seinen Jahren der Ausbildung zum Zen-Meister einfach erlernt hat. Wirklich die Augen zu öffnen für alles was da ist und unsere Körper an uns kommunizieren.
 
Ok, das war mal ein kleiner Einblick in was einen auf diesem Weg erwartet. Aber während Zen 1+2 also noch relative Zurücklehn-Zuhör-Seminare mit einigen Analysen sind, mit der gelegentlichen Übung, bei der du vielleicht schon erste Glaubenssätze und Schmerzpunkte aufdeckst, wirst du schnell merken: boy, hast du noch keine Ahnung 😄 
 
Denn Seminar 3 ist dann eben schon ein ganzes 3-Tages Ding. Freitag morgens geht es los, alle Teilnehmer kommen in den großen, schönen, hellen Raum. Manche kennen sich noch von Seminar 1+2, manche Gesichter sind ganz neu. Alle sitzen auf dem Boden, auf Kissen, mit Decken, ganz entspannt. Wenn Thay reinkommt stehen alle auf, er läuft vor zum naja… Altar? Es ist nicht so sektisch wie es sich anhört, aber dort steht einfach eine wunderschöne Buddha Statue. Er verbeugt sich vor ihr, dreht sich um und wir verbeugen uns alle voreinander - Hände vor dem Herzen gefaltet, ähnlich wie im Yoga, nur dass wir Stehen, Handflächen aneinander aber leicht geöffnet, symbolisch für die Lotusblüte, denn wie der schon erleuchtete Buddha auf der geöffneten Lotusblüte sitzt, so wünschen wir einander die Erleuchtung. Die Wahrheit zu sehen hinter allem was ist, hinter all den Geschichten, die wir uns erzählen und die uns blockieren.
Thay geht vor an die Tafel und beginnt zu erzählen. Das Thema dieses Seminars steht diesmal unter dem Thema Herzchakra, aber eigentlich geht es nur darum die eigenen Gefühle besser zu verstehen, zu hinterleuchten, zu erkennen welche Beziehungen wir dadurch aufgebaut und welche Verhaltensweisen wir deswegen etabliert haben. Es ist alles ziemlich komplex und drei Tage Seminar in ein paar Absätzen zusammenzufassen ist eigentlich eine ziemlich doofe Idee, aber jetzt steck ich schon drin und … c'est la vie! 
Thay spricht von den 7 Grundgefühlen (hallo 7!): Wut, Angst, Traurigkeit, Verachtung (Wertesystem geprägt durch Eltern, Gesellschaft), Ekel, Freude (nachhaltig, bleibend), Überraschung. Sehr negativ konnotiert dachte ich mir, was soll denn das für ein Modell sein? Aber es geht darum die rudimentärsten Gefühle zu verstehen, um ihnen entgegen treten zu können. Wut ist nur Schrei nach Aufmerksamkeit und der sehnliche Wunsch gesehen zu werden, ignoriert man Kinder mit Schreianfällen entsteht beispielsweise tiefe Traurigkeit in ihnen. Eltern vergrößern die Angst in Kindern oft, weil sie sie beschützen wollen: „Hab Spaß, aber pass auf dich auf (damit dir nichts passiert, denn überall lauern Gefahren)“. Wenn wir die Wertung gegenüber dieses Grundgefühlen verändern können, dann verändert sich auch ihre Reaktion in unserem Körper.
 
Nach den Grundgefühlen kommen die Empfindungen, die wir aber erst nach dem abschließen von zwei Zyklen (also ab dem Alter von 14) wirklich empfinden können, da sie auf Erfahrung beruhen. Schuld (welche 98% unserer Lebensenergie vernichtet), Scham (Wertung, Wertesystem, Gesellschaft, Eltern), Selbstwert (wie haben deine Eltern mit dir gesprochen? „Ich bin stolz auf dich!"), Liebesgefühl, Lust (tu etwas Gutes nur für dich, nicht nur für andere), Mitgefühl, Bauchgefühl (Intuition), Glücksgefühl (für den Moment), verletzte Gefühle, Neid. Oft wird in der Partnerschaft beispielsweise über Selbstwert, Liebesgefühle und Lust gesprochen. Doch eigentlich geht es um viel tieferliegendes wie Schuld und Scham, nur redet da keiner drüber. 
Dann ging es über zu den Emotionen. Wie die westliche Welt aufgrund von Situationen, darauf folgende Gedanken, daraus resultierenden Gefühlen, letztendlich Entscheidungen trifft. Und wie die buddhistische Welt mit 8 Sinnen ihr Handeln, Denken und ihre Gefühle hinterfragt. Sich immer wieder fragen: „Welche Änderungen können wir machen, um alte Muster nicht zu wiederholen?“. Falsche Vorstellungen von einem selbst aus dem Weg räumen, um der Wahrheit immer näher zu kommen. Und um unsere Gefühle noch besser zu verstehen müssen wir wieder in Verbindung mit unserem inneren Kind gehen und es sozusagen wieder happy stimmen. Ihm all das zu schenken, was es entweder vermisst oder in der Kindheit nie bekommen hat. Wir haben viele Gefühle in Gruppenarbeiten heraus bekommen. Oft sagt Thay wir sollen jetzt mal in Gruppen zusammen finden mit Menschen, die uns sympathisch sind. Oder die uns an jemanden erinnern. Etwas in uns hervorrufen. Oder auch mal gern „die ihr nicht mögt.“ —> "Hi, klar super. Na du, dann machen wir zusammen, oder?“ Super einfach, bestes Gefühl 😄 
Aber es geht darum, dass diese Menschen im Endeffekt etwas bei dir triggern, hervorrufen, spiegeln. Wir mögen ja oft Menschen direkt super gern oder gar nicht gern, obwohl wir sie gar nicht kennen. Diese Sympathie zeigt uns oft einfach nur Teile von uns selbst dir wir gerne mögen oder eben gar nicht an uns leiden können - aber am allerwenigstens wollen wir dann natürlich sehen, dass DIE was mit uns gemeinsam haben 😄 
Jedenfalls ist es einfach krass, mit welchen Menschen man dann „zufällig“ zusammen kommt. Und genau das ist es auch auf was diese Gruppenarbeiten basieren. Es finden immer GENAU die richtigen Leute zusammen. Und gerade wenn du dir denkst „Oh Gott, neiiiin, bitte nicht der.“ - dann ist es genau der Richtige, den du gerade brauchst, auch wenn du keinen Bock hast. Aber dann weißt du - jetzt wird’s hart. Fuck 😄 
 
Zwischendurch gibt es auch immer wieder Pausen. Zeit in den Wald zu gehen (dort ist wirklich nichts außer das Seminar, dein Zimmer und der Wald). Dich mit der Natur zu verbinden und boy hatte ich da schon „maaagic - moooments (haha kennst du diese weihnachtliche Webemusik? Weiß gar nicht mehr was das war? Ein koffeinhaltiges Brausegetränk mit roter CI Farbe?). Das Essen ist mit das beste vegetarische Essen, dass ich gegessen habe und du kannst schweigend für dich allein am Schweigetisch Essen oder dich an den anderen mit deiner Gruppe austauschen. Du kannst ins Teehaus gehen und dabei den Koi Karpfen im Indoor-Teich zugucken. Du kannst in dein Zimmer gehen und richtig abheulen, wenn das dran ist. Du kannst morgens um 5:30 im großen Saal unten zur täglichen Meditation erscheinen oder einfach bis zum Frühstück ausschlafen. Du kannst auch abends nochmal zur Meditation gehen, aber wahrscheinlich bist du um 20 Uhr schon so durch, dass du einfach nur noch schlafen willst. (Spoiler!) Du kannst dich freiwillig zum Küchen- oder Putzdienst melden, musst du aber nicht. Du kannst jederzeit abreisen, aber du kannst auch bleiben und deinen Schatten ins Gesicht sehen. Und manchmal merkst du erst Wochen später was du gelernt und für dich aufgelöst hast.
 
Mir ist klar, das klingt jetzt nicht gerade nach Zuckerwatte und Jahrmarkt und nach etwas das ich Leuten empfehlen würde 😄 
Aber im Endeffekt treffe ich auf diesen Seminaren einfach immer wieder auf Lehren und Konzepte, die ich auch schon von modernen westlichen Thought Leadern gehört, gelesen oder auf Seminaren gelernt habe, nur in weniger Watte gepackt. Hier hängt alles direkt zusammen, wird so logisch, geht tiefer und ist nicht nur ein schöner Gedanke oder ein nettes Konzept, sondern wird direkt aktiv krass herausgearbeitet. So sehr, dass es mich manchmal (sehr oft) selbst total überrumpelt, auf einmal krassen Schmerz hervorruft und nicht nur ein „Oh, ich glaube da ist ein Glaubenssatz“, sondern mich Tränen überströmt in der Ecke liegen lässt. JA das tut weh. JA das ist schwer. Ja, das sieht wahrscheinlich auch von außen ziemlich masochistisch aus. Aber you need to feel it to heal it. Du musst es fühlen, durch den Schmerz, durch das Dunkle gehen, um am anderen Ende leicht, glücklich und gesund rausgehen zu können. Gefühle verdrängen können wir alle super. Weil wir keinen Bock darauf haben, weil wir Angst davor haben, weil wir es als Kind nicht besser wussten wie wir damit umgehen können. Ein automatischer Schutzmechanismus. Aber das sind die Dinge, die uns krank machen. Die uns klein halten. Die uns in unseren Automatismen durchs Leben laufen lassen, die uns sabotieren. Die Programme laufen lassen derer wir uns nicht mal wirklich bewusst sind - bis wir hinschauen. Warum wir nicht fähig sind eine Partnerschaft am laufen zu halten oder einen Job zu finden, der zu uns passt. Warum wir in manchen Situationen in blinde Panik geraten oder mit 21 eine Essstörung entwickelt haben. 
Ich habe keinen Bock wie eine Marionette meiner eigenen Gefühlswelt durchs Leben zu laufen, sondern entscheide mich hinzusehen, Schmerz durchzuarbeiten, ZU FÜHLEN. Denn Schmerz in uns trägt jeder von uns, es gehört dazu, es ist Teil des Ganzen. Es ist nicht unfair, sondern ein Geschenk. Du kannst einfach nur entscheiden, ob du hinsehen willst oder ob du einfach so weitermachen kannst. 
Ich mache das Erstere und das meine lieben Freunde ist, warum ich mir dieses Zeug immer gebe 😄 aber das ist einfach mein Weg und vielleicht auch nicht für jeden das Richtige. Oder vielleicht einfach noch nicht zu diesem Zeitpunkt. 
Es wird viele Dinge geben, die ich erst viel, viel später lernen darf. Aber das - das ist jetzt einfach bei mir dran.
 
Und deswegen freue ich mich gerade total auf das 5te Zen-Seminar das morgen startet. Ein klitzekleiner Teil hat auch ein bisschen Bammel - aber hauptsächlich freue ich mich. Weil tief fühlen und echte Begegnungen einfach mein Jam sind! Und auch wenn es jedes Mal krass ist, ich jedes Mal ein Stückchen mehr und meiner Wahrheit finde. 
 
Ich werde berichten und auch nachträglich nochmal vom 4ten Zen Seminar, wenn dich das interessiert. Heute habe ich alles mal ein bisschen erklärt und angerissen - viel ich weiß. Danke, dass du bis hierhin gelesen hast. Danke, dass du mir deine Zeit geschenkt hast. Vielleicht habe ich ja schon mit einer kleinen Idee, einem kleinen Gedanken etwas bei dir bewegen können - und dann, dann hab ich schon genau das erreicht was mich am glücklichsten macht.

Ganz viel Liebe, 
Euer Fuchs 

 

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